Brian Moore - Schwarzrock


Wurde verfilmt, kein Wunder!

Lektüretipp von Gabriele Barbey, 7. Okt. 2020


Anno 1635: Wieso nehmen Jesuitenpatres (Schwarzröcke) extrem strapaziöse Reisen auf sich, um indianische Völker zum Christentum zu bekehren? Diese Frage stellte der irisch-kanadische Autor Brian Moore (1921 bis 1999) im Roman, der 1985 erstmals erschien und jetzt wieder neu aufgelegt ist. Sind etwa Indianer-Romane wieder Mode? Nicht unbedingt. Aber jahrhundertelanges Missionieren und Kolonisieren durch den „weissen Mann“ wirken bekanntlich bis heute nach, und wie!
Moore, der versierte Autor historischer Thriller, vergisst auch die Ausdünstungen nicht, die entstehen, wenn Menschen in Bedrängnis sind. Würden die Gerüche physisch aus den Seiten (den analogen oder digitalen) aufsteigen – angewidert würde man das Buch zuschlagen. Und zaghaft wieder öffnen, denn man will doch wissen, welche Figuren all die menschlichen Brutalitäten überleben, ausgesetzt noch dazu den Naturgefahren eines nordamerikanischen Winters im 17. Jahrhundert. Wie um Himmels Willen soll es der französische Jesuit Père Laforgue in der Wildnis schaffen? Vielleicht eher noch sein junger, abtrünniger Reisegefährte Daniel, der mit der Algonkin Annuka zusammen ist?

Brian Moore: Schwarzrock. Roman, aus dem Englischen von Otto Bayer. Mit einem (lesenswerten) Nachwort von Julian Barnes. 285 Seiten. Diogenes 2020.

Der Film „Black Robe" (USA 1991) ist am 12. Oktober 2020, 20.15 Uhr bei arte zu sehen.







Dieser Literaturtipp wurde erfasst am 07.10.2020 um 17:02 Uhr.



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