Jonathan Lear - Radikale Hoffnung


"Der weisse Mann ist nicht weise."

Buchtipp von Anna Schindler, 10. Feb. 2021


Der Philosoph Jonathan Lear hat sich gefragt, wie die Nachfahren des Crow-Stammes eine erstaunliche Hoffnung und Würde bewahren konnten, trotz des augenscheinlichen Untergangs ihrer Kultur. Als Basis für seine Studie dienten dem Autor anthropologische Grundlagen der nordamerikanischen Ureinwohner und psychoanalytische Theorien. Das Resultat ist verblüffend, ist der Schlüssel zu dieser radikalen Hoffnung doch der Traum eines Indianerkindes namens Plenty Coups. Später wird dieses Kind Häuptling der Crow. Das Buch ist einerseits ein wissenschaftliches Sachbuch, andererseits erzählt es die sehr eindrückliche Geschichte über das Denken und Handeln der indigenen Crow. Plenty Coups meinte dazu: «Der weisse Mann ist trotz seiner wundersamen Macht nicht weise. Er ist schlau, aber nicht weise.» Und trotzdem war es gerade Plenty Coups, der zuversichtlich daran glaubte, dass eine neue Generation fähig sein würde, traditionelle Werte der indigenen Crow mit der Bildung der dominanten Kulturen zusammenzuführen. Das Buch macht Hoffnung. Hoffnung auf ein Danach, auch wenn uns ein kultureller Kollaps droht.

Jonathan Lear: Radikale Hoffnung. Ethik im Angesicht kultureller Zerstörung. Aus dem Amerikanischen von Jens Pier. Suhrkamp Verlag, Berlin 2020







Dieser Literaturtipp wurde erfasst am 10.02.2021 um 19:33 Uhr.



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